7 Min. Lesezeit Phillip Fickl

Zählpunktnummer: Was sie ist und wo Sie sie finden

Wer in Österreich den Stromanbieter wechselt, eine Photovoltaikanlage anmeldet oder Smart Meter Daten abfragen will, wird nach einer Zählpunktnummer gefragt. Die meisten Menschen sehen diesen Begriff zum ersten Mal und wissen nicht, wo sie suchen sollen. Dieser Artikel erklärt, was die Zählpunktnummer ist, wie sie aufgebaut ist, wo Sie sie finden und warum sie für Unternehmen eine zentrale Rolle spielt.

Was ist die Zählpunktnummer?

Die Zählpunktnummer (auch Zählpunktbezeichnung genannt) ist eine 33-stellige alphanumerische Kennung, die jeden Strommess-Punkt in Österreich eindeutig identifiziert. Sie beginnt immer mit den Buchstaben AT und wird gefolgt von 31 Ziffern.

Ein häufiges Missverständnis: Die Zählpunktnummer identifiziert nicht das physische Zählergerät, sondern den Messpunkt im Stromnetz. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Wenn Ihr Stromzähler ausgetauscht wird (etwa bei der Umrüstung auf einen Smart Meter), bleibt die Zählpunktnummer dieselbe. Sie ist an den Ort gebunden, nicht an das Gerät.

Die Zählpunktnummer ist über alle österreichischen Netzbetreiber hinweg standardisiert und dient als primärer Schlüssel im EDA-Netzwerk (Energiewirtschaftlicher Datenaustausch), über das Smart Meter Daten zwischen Marktteilnehmern ausgetauscht werden.

Aufbau der Zählpunktnummer

Die 33 Zeichen der Zählpunktnummer sind nicht zufällig. Sie folgen einer festen Struktur, die Informationen über den Standort und den zuständigen Netzbetreiber codiert:

  • Zeichen 1-2: Ländercode — Immer AT für Österreich.
  • Zeichen 3-4: Netzbetreiber-Kennung — Eine zweistellige Nummer, die den zuständigen Netzbetreiber bzw. das Netzgebiet identifiziert.
  • Zeichen 5-33: Individuelle Kennung — Eine fortlaufende, innerhalb des Netzgebiets eindeutige Nummer, die den konkreten Messpunkt bezeichnet.

Ein Beispiel: AT0010000000000000001000012345678

Die ersten Zeichen verraten also bereits den Netzbetreiber. Das bedeutet, dass automatisierte Systeme anhand der Zählpunktnummer den zuständigen Netzbetreiber erkennen können, ohne eine separate Zuordnungstabelle zu benötigen. Für die technische Infrastruktur hinter Smart Meter Daten lesen Sie unseren Smart Meter Leitfaden.

Beispiele von verschiedenen Netzbetreibern

Netzbetreiber Beispiel-Zählpunktnummer Präfix
Wiener Netze AT0010000000000000001000012345678 AT00100...
Netz Niederösterreich AT0020000000000000001000012345678 AT00200...
Energie Graz AT0060000000000000001000012345678 AT00600...

Die Präfixe variieren je nach Netzgebiet. An der Struktur selbst ändert sich nichts: immer 33 Zeichen, immer beginnend mit AT.

Wo finde ich die Zählpunktnummer?

Die Zählpunktnummer ist kein Geheimnis und auch kein persönliches Datum im engeren Sinne. Sie ist eine technische Kennung und lässt sich an mehreren Stellen finden.

Auf der Stromrechnung

Die häufigste Fundstelle ist Ihre Stromrechnung. Die Zählpunktnummer steht typischerweise auf der ersten Seite, im Bereich der Vertragsdetails oder Anlagedetails. Je nach Anbieter ist sie als "Zählpunktbezeichnung", "Zählpunktnummer" oder einfach "ZP" beschriftet.

Wonach Sie suchen: eine Zeichenkette, die mit AT beginnt und insgesamt 33 Zeichen lang ist. Die restlichen 31 Stellen sind Ziffern. Sobald Sie dieses Muster erkennen, haben Sie die richtige Nummer gefunden.

Im Smart Meter Webportal des Netzbetreibers

Jeder österreichische Netzbetreiber bietet ein Kundenportal an, in dem Ihre Zählpunktdaten hinterlegt sind. Dort ist die Zählpunktnummer in der Regel prominent angezeigt, oft zusammen mit Ihren aktuellen Verbrauchsdaten.

Den Zugang zum Portal haben Sie bei der Installation Ihres Smart Meters erhalten. Falls Sie die Zugangsdaten nicht mehr haben, können Sie diese beim Netzbetreiber neu anfordern.

Beim Netzbetreiber direkt anfragen

Wenn Sie weder Ihre Stromrechnung zur Hand haben noch Zugang zum Online-Portal, können Sie Ihren Netzbetreiber telefonisch oder per E-Mail kontaktieren. Die Zählpunktnummer ist eine technische Kennung und wird auf Anfrage mitgeteilt. Sie benötigen in der Regel Ihre Kundennummer oder die Adresse des Anschlusses zur Identifikation.

Wofür braucht man die Zählpunktnummer?

Die Zählpunktnummer kommt immer dann ins Spiel, wenn ein Vorgang im österreichischen Strommarkt einem bestimmten Messpunkt zugeordnet werden muss. Die häufigsten Anwendungsfälle:

  • Lieferantenwechsel — Wenn Sie Ihren Stromanbieter wechseln, benötigt der neue Lieferant die Zählpunktnummer, um den Wechsel beim Netzbetreiber korrekt zu registrieren.
  • Smart Meter Datenabfrage — Um über das EDA-Netzwerk auf Verbrauchsdaten zuzugreifen, ist die Zählpunktnummer die Grundlage jeder Datenanfrage.
  • Energieausweis und Energieberatung — Für die Erstellung eines Energieausweises oder eine professionelle Energieberatung werden Verbrauchsdaten benötigt, die über die Zählpunktnummer zugeordnet werden.
  • Einspeisung und Photovoltaik — Bei der Anmeldung einer Photovoltaikanlage zur Einspeisung ins Netz wird die Zählpunktnummer des Einspeisepunkts benötigt.
  • Gebäudemanagement — Im Gebäudemanagement ist die Zählpunktnummer der Schlüssel zur Zuordnung von Verbrauchsdaten zu einzelnen Einheiten, Gebäuden oder Liegenschaften.

Zählpunktnummer vs. Zählerstandsnummer vs. Kundennummer

Drei Nummern, drei verschiedene Dinge. Die Verwechslung ist verständlich, aber die Unterschiede sind klar:

Zählpunktnummer Zählerstandsnummer / Geräte-ID Kundennummer
Identifiziert Messpunkt im Netz Physisches Zählergerät Vertragskunde
Format 33 Zeichen (AT...) Variiert je nach Hersteller Variiert je nach Anbieter
Ändert sich bei Gerätewechsel? Nein Ja Nein
Zu finden auf Stromrechnung, Netzbetreiber-Portal Am Zähler selbst Stromrechnung

Die Zählpunktnummer ist die relevante Kennung für alle Datenprozesse im EDA-Netzwerk. Die Geräte-ID auf dem Zähler selbst hilft Technikern bei der Identifikation vor Ort, hat aber keine Funktion im elektronischen Datenaustausch. Die Kundennummer ordnet Sie als Vertragspartner Ihrem Energielieferanten zu und hat keinen direkten Bezug zum Messpunkt.

Zählpunktnummer im geschäftlichen Kontext

Für Privatpersonen ist die Zählpunktnummer ein Detail, das einmal gesucht und dann vergessen wird. Für Unternehmen, die mit Energiedaten arbeiten, ist sie der Ausgangspunkt jedes Datenprozesses.

Ob Energiedienstleister, Gebäudemanager oder Softwareentwickler : Wer Smart Meter Daten über das EDA-Netzwerk abfragen will, braucht als Erstes die Zählpunktnummer des betreffenden Messpunkts. Sie ist der Schlüssel zur Consent-Anfrage, zur Datenlieferung und zur eindeutigen Zuordnung der Messwerte.

In der Praxis sieht das oft so aus: Zählpunktnummern werden per E-Mail, Telefon oder in Tabellen gesammelt. Mieter, Kunden oder Hausverwaltungen werden gebeten, die Nummer von ihrer Stromrechnung abzulesen und weiterzugeben. Das ist fehleranfällig und bei wenigen Zählpunkten handhabbar.

Viele Zähler, viele Netzbetreiber

Sobald ein Unternehmen mit mehr als einer Handvoll Messpunkten arbeitet, wird die manuelle Verwaltung schnell unwirtschaftlich. Ein Gebäudeportfolio, das sich über mehrere Bundesländer erstreckt, kann Dutzende verschiedener Netzbetreiber betreffen. Jeder Zählpunkt wird über einen anderen Netzbetreiber im EDA-Netzwerk geroutet. Bei zehn, fünfzig oder hundert Messpunkten ist eine manuelle Zuordnung und Verwaltung nicht mehr sinnvoll.

Die Zählpunktnummer selbst enthält die Information, welcher Netzbetreiber zuständig ist. Automatisierte Systeme nutzen das: Bei energiedaten.at reicht die Eingabe der Zählpunktnummer. Das System erkennt automatisch den zuständigen Netzbetreiber und startet den Consent-Prozess. Warum sich die Automatisierung von Energiedaten-Prozessen lohnt, beschreiben wir in unserem Artikel Warum automatisieren?.

Häufige Fragen zur Zählpunktnummer

Ist die Zählpunktnummer dasselbe wie die Zählerstandsnummer?

Nein. Die Zählpunktnummer identifiziert den Messpunkt im Stromnetz. Die Zählerstandsnummer (oder Geräte-ID) identifiziert das physische Zählergerät. Wenn der Zähler ausgetauscht wird, ändert sich die Geräte-ID, aber die Zählpunktnummer bleibt gleich.

Ändert sich die Zählpunktnummer bei einem Zählerwechsel?

Nein. Die Zählpunktnummer ist an den Messpunkt im Netz gebunden, nicht an das Gerät. Egal ob analoger Ferraris-Zähler oder digitaler Smart Meter: Solange sich am Messpunkt selbst nichts ändert, bleibt die Nummer bestehen.

Kann ich die Zählpunktnummer eines anderen anfordern?

Nein. Die Zählpunktnummer eines fremden Messpunkts können Sie nicht ohne Weiteres erhalten. Um über das EDA-Netzwerk auf die Daten eines Zählpunkts zugreifen zu können, benötigen Sie die ausdrückliche Einwilligung (Consent) der Person oder des Unternehmens, die dem Messpunkt zugeordnet ist.

Was, wenn ich mehrere Zählpunktnummern habe?

Das ist häufiger als man denkt. Unternehmen, Mehrparteienhäuser und Liegenschaften mit separaten Einspeisezählern (etwa für Photovoltaik) haben oft mehrere Zählpunktnummern. Jeder einzelne Messpunkt hat seine eigene Nummer, und für jeden muss ein separater Consent erteilt werden.

Haben Gas- und Wasseranschlüsse auch Zählpunktnummern?

Das hier beschriebene 33-stellige System bezieht sich auf den Strommarkt. Für Gas gibt es ein ähnliches Schema mit eigener Struktur, das separat verwaltet wird. Wasseranschlüsse fallen nicht unter dieses System.

Zusammenfassung

Die Zählpunktnummer ist Österreichs universelle Kennung für Strom-Messpunkte. Sie ist 33 Zeichen lang, beginnt immer mit AT und bleibt ein Leben lang gleich, unabhängig davon, welches Zählergerät eingebaut ist oder welcher Lieferant den Strom liefert.

Für Privatpersonen: Sie finden Ihre Zählpunktnummer auf der Stromrechnung oder im Online-Portal Ihres Netzbetreibers.

Für Unternehmen: Die Zählpunktnummer ist der Schlüssel zum Zugang zu Smart Meter Daten über das EDA-Netzwerk. Sie ist die erste Eingabe, wenn Sie Verbrauchsdaten automatisiert abfragen oder einen Datenservice wie energiedaten.at nutzen möchten.

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